Ab wann sitzen Babys und wie kann ich mein Baby dabei unterstützen?

Die großen Schritte in der Bewegungsentwicklung, die die meisten Babys durchlaufen, nennen sich ‚Meilensteine der Kindesentwicklung‘.

Im Wesentlichen geht es dabei

● vom Liegen auf dem Rücken und Bauch

● hin zum Drehen,

● zum Robben,

● zum Krabbeln und Sitzen,

● zum Hochziehen

● und schließlich zum freien Laufen.

Dieser Ablauf ist für das Nervensystem Ihres Babys hochkomplex und baut aufeinander auf.

Die Reihenfolge und die Schritte an sich sind bei allen Babys auf der ganzen Welt dieselben. Mal etwas früher, mal etwas später. Aber die Abfolge bleibt dieselbe.

Spannend, oder?

Und was ist nun das Ziel des Ganzen?

All‘ diese Entwicklungsschritte dienen letztlich einem großen Ziel, nämlich auf eigenen Füßen zu stehen und frei laufen zu können.

Dafür lohnt es sich für Ihr Baby, sich immer und immer wieder zu drehen. Oder später wieder und wieder das Krabbeln zu üben. Oder sich immer wieder hochzuziehen, auch wenn es viele Male wieder auf dem Popo landet.

Babys lassen sich für ihre Bewegungsentwicklung viel Zeit. Denn jeder einzelne Schritt baut auf dem vorherigen auf und will vorbereitet und geübt werden.

Mit diesem Wissen komme ich nun als Nächstes komme ich zu der interessanten Frage aus der Überschrift:

Darf ich mein Baby früh hinsetzen, auch wenn es das alleine noch nicht kann?

Das ist eine Frage, die Eltern mir sehr häufig stellen bzw. das ist etwas, was ich bei Eltern immer wieder sehe.

Die Antwort darauf ist sehr einfach:

Nein. Machen Sie nur das mit Ihrem Baby, was es von alleine und selbständig tut. Nicht mehr und nicht weniger.

Nehmen Sie also nichts vorweg, was Ihr Baby noch nicht von alleine machen kann.

Sie tun Ihrem Baby wirklich keinen Gefallen, wenn Sie es früher hinsetzen oder hinstellen, als es das von alleine tut.

Ganz im Gegenteil, es gibt keinerlei Vorteile, sondern nur Nachteile für Ihr Baby. Und es können Schäden entstehen, die so einfach nicht wieder rückgängig zu machen sind.

Warum schadet es meinem Baby, wenn ich es doch tue?

Dafür gibt es 4 wichtige Gründe.

1) Die Wirbelsäule und das Knochengerüst Ihres Babys ist noch viel zu weich, um sich gegen die Schwerkraft behaupten zu können. So kann es zu Skoliosen (=Wirbelsäulenverkrümmungen) und Rückenschmerzen im Kindesalter kommen.

Ihr Baby spürt ganz genau, wann seine Knochen stark genug sind, um den kleinen Körper ohne Schaden aufrecht halten zu können.

2) Das Nervensystem Ihres Babys kommt mit der Reihenfolge der Entwicklungsschritte durcheinander, wenn Sie Schritte vorwegnehmen.

Dann kann es sogar sein, dass es wichtige Entwicklungsschritte einfach auslässt, weil das Gehirn regelrecht irritiert ist.

3) Wenn Sie Ihr Baby passiv hinsetzen, wird es sehr schnell unzufrieden werden, weil es nirgendwo hinkommt. Ihm fehlt das vorherige Üben des Gleichgewichts als Vorbereitung, um sich in der sitzenden Position überhaupt bewegen zu können. Und es spürt schnell, dass hier etwas nicht stimmt.

4) Ganz wichtig ist auch die emotionale Komponente, die bei Babys häufig vergessen wird.

Babys wollen ihre Schritte selbst lernen und machen. Das verschafft Ihnen Erfolgserlebnisse und motiviert sie. Es hilft Ihnen, selbstständiger zu werden. Und außerdem sind Babys genauso stolz wie wir Erwachsene, wenn sie etwas gelernt haben, was sie bis dahin noch nicht konnten.

Nun haben Sie vielleicht folgenden Gedanken:

‚Aber mein Baby mag doch so gerne schon sitzen oder stehen!‘

Dieses Argument höre ich immer wieder von vielen Eltern, es ist aber sozusagen eine Art Fehlinterpretation.

Der einzige Grund warum es Ihrem Baby scheinbar gefällt, ist nämlich, weil es sich daran gewöhnt hat, dass Sie es mit ihm tun.

Auch wenn Ihr Baby es kurzfristig toll findet, plötzlich mehr sehen zu können als in Rücken- oder Bauchlage, von alleine würde es das Hinsetzen aus den oben genannten Gründen niemals zu früh üben.

Die Natur hat es nicht umsonst so eingerichtet, dass es genau diese Reihenfolge gibt und Ihr Baby möchte sie auch einhalten.

Es hat nur noch nicht die Möglichkeit, das zu überblicken und Ihnen zu sagen, dass ihm das schadet. Diese Verantwortung müssen Sie für Ihr Baby übernehmen.

Mein Tipp dazu ist deshalb auch sehr simpel: Hören Sie einfach damit auf.

Was ich Ihnen versichern kann ist, dass Ihr Baby sich nach kürzester Zeit wieder daran gewöhnen wird, dass es nicht mehr hingesetzt oder hingestellt wird. Das kann ich Ihnen deshalb versprechen, weil ich es nicht ein einziges Mal anders gesehen habe.

Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass Sie es selbstverständlich, liebevoll und mit Überzeugung machen.

Und wenn es Ihnen doch noch mal passieren sollte, erklären Sie Ihrem Baby die Gründe, während Sie es in die Rückenlage oder Bauchlage zurücklegen.

Dann dauert das Wiederabgewöhnen meist nur 2-3 Tage. Selbst wenn Ihr Baby zu Beginn etwas quengelt, weil das vorweggenommene Sitzen schon zur Gewohnheit geworden ist.

Darf ich mein Baby denn auch nicht im Tragetuch tragen oder am Tisch auf dem Arm halten?

Um diese Frage zu beantworten, muss man das freie Hinsetzen und das unterstützte Sitzen unterscheiden.

Negative Folgen hast das zu frühe Hinsetzen dann, wenn Sie Ihr Baby frei oder mit Kissen gestützt hinsetzen und es dann alleine so sitzenlassen. Vielleicht sogar noch für längere Zeit.

Etwas anderes ist das gut ‚unterstützte Sitzen‘ am Tisch oder im Tragetuch.

Wenn Ihr Baby z.B. auf Ihrem Arm mit am Esstisch sitzt, können Sie es rundherum und mit ganzem Körpereinsatz stützen. Sie als Eltern können außerdem genau spüren, wo der Rücken Ihres Babys Unterstützung braucht.

Im Tragetuch ist die Wirbelsäule Ihres Babys noch mehr gerundet. Deshalb wirkt die Schwerkraft viel weniger auf das Knochengerüst ein. Außerdem ist der Körper gut gestützt durch die Wickelung eng an Ihrem Körper.

Durch Ihre Körpernähe, Ihren Herzschlag und Ihre Bewegung macht Ihr Baby zusätzlich noch Bindungserfahrungen, weshalb ich das Tragen im Tragetuch nur empfehlen kann.

Was können Sie also tun?

Um Ihrem Baby eine optimale Unterstützung in seiner Entwicklung hin zum freien Laufen zu geben, sind zwei Dinge wichtig:

1) Praktische Alltagtipps

● Nehmen Sie keine Schritte vorweg, indem Sie Ihr Baby hinsetzen oder hinstellen, wenn es das noch nicht kann.

● Ihr Baby gehört in den ersten 6-7 Monaten flach auf den Rücken, die Seite oder den Bauch. So fördern Sie seine Bewegungsentwicklung am optimalsten.

● Legen Sie Ihr Baby zuhause in den ersten Monaten nicht länger als 15-20 Minuten am Stück in die Babyschale. Selbst mit der eher geringen Schräglage wirkt die Schwerkraft schon zu stark auf die kleine Wirbelsäule.

● Viel babygerechter liegt es schlicht und einfach auf seiner Babydecke oder im Kinderwagen. Auch in der Küche lässt sich dafür meistens eine Ecke einrichten.

● Eine gute Alternative ist z.B. auch eine Hängematte in einem Gestell. Auch hier kann Ihr Baby flach und sogar noch schön eingekuschelt liegen.

Der einzige Nachteil ist, dass Ihr Baby in der Hängematte nicht mehr so gut sehen kann, was um es herum passiert, wenn es gerade wach und aktiv ist.

● Mittlerweile gibt es auch Babyschalen als Kinderwagenmodell. Davon kann ich nur dringend abraten. Das mag zwar für Sie als Eltern praktisch erscheinen, aber der Entwicklung Ihres Babys schadet es, weil es darin viel zu lange ‚in Schräglage‘ liegt.

● Auch von Lauflerngeräten kann ich nur vehement abraten, da sie die Bewegungsentwicklung Ihres Babys massiv stören. Am besten entsorgen Sie das Ding zeitnah und nicht auf dem Sperrmüll, wo es noch jemand anders finden könnte. Auch sollten Sie es nicht weitergeben oder verschenken.

● Noch schlimmer sind die Tür- oder Babyhopser. Beim Hüpfen verstärkt sich die zu frühe Schwerkrafteinwirkung auf die zu weiche Wirbelsäule noch. Auch für die Entwicklung der Füßchen und Hüften, die für das Stehen und Hüpfen noch nicht vorbereitet sind, sind diese Geräte langfristig richtig schädlich.

● ‚Sitzen‘ sollte Ihr Baby in den ersten Monaten nur im Tragetuch. Oder wenn Sie Ihr Baby im Arm halten und von allen Seiten mit Ihrem Körper gut stützen. Aber auch das sollten Sie nicht allzu oft und nicht länger als 15-20 Minuten am Stück machen.

2) Die richtige innere Haltung entwickeln

Vertrauen Sie Ihrem Baby.

Es wird seine Schritte schon zum richtigen Zeitpunkt und im richtigen Tempo gehen. Das ist bei mindestens 95% aller Babys der Fall.

Auch wenn alle Babys in Ihrer Müttergruppe oder im Freundeskreis schon weiter sind. Das muss noch überhaupt nichts heißen. Jedes Baby hat sein eigenes Tempo! Ihr Baby macht das schon.

Bleiben Sie entspannt.

Atmen Sie ruhig mal durch. Die Meilensteine müssen in den meisten Fällen nicht vorgeübt oder beschleunigt werden. Es sind Schritte, die alle Babys auf der ganzen Welt gehen, ob sie nun nachhelfen oder nicht.

Ganz im Gegenteil, wie Sie hier schon gelesen haben, kann es mehr schaden als nützen, wenn Sie etwas vorwegnehmen.

Geben Sie Ihrem Baby Zeit.

Babys brauchen viel mehr Zeit als wir denken, um Ihre Schritte ausführlich zu üben und zu wiederholen.Und um all‘ die komplexen Dinge zu verarbeiten, die es jeden Tag dazulernt!

Sie brauchen also einfach nur verfolgen, wie Ihr Baby sich entwickelt. Und freuen Sie sich mit Ihrem Baby für jeden neuen, kleinen Schritt!

Wenn Sie Fragen haben oder etwas teilen wollen zu dem Thema, schreiben Sie dazu gerne einen Kommentar.

Herzliche Grüße,

Christiane Christiansen

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