Mutter mit Kaiserschnittnarbe

Hat ein Kaiserschnitt Risiken oder ist er nur ‘halb so schlimm’?

“Ein Kaiserschnitt hat doch gar keine Risiken.”

“Sei doch froh, dass es vorbei ist.”

“Ist doch alles gut gegangen.”

“Wird schon werden, jetzt musst Du einfach nach vorne schauen.”

“So schlimm war es doch nicht, oder?”

Haben auch Sie das nach Ihrer Kaiserschnittentbindung so oder ähnlich gehört?

Solche Sätze sind sicher gut gemeint sind und entstehen oft aus Unsicherheit oder Hilflosigkeit.

Aber war es wirklich nicht so schlimm?

● Kann man die Kaiserschnitterfahrung als Mutter wirklich so schnell aus der Erinnerung löschen, wie man möchte?

● Können Sie als Eltern den Schreck mal eben so wegstecken, wenn es ein Notkaiserschnitt sein musste?

● Und wie geht man mit den Wunden und Narben um, die ein Kaiserschnitt hinterlässt? Nicht nur den äußerlichen, sondern auch den innerlichen?

Ich habe viele Mütter erlebt, die selbst Jahre später noch sagten “Eigentlich habe ich bis heute noch nicht die Zeit gehabt, dass alles zu verarbeiten.”

Oder die in der Beratung überhaupt das erste Mal ihre Geschichte erzählt haben, weil es alles so schnell ging. Und ich meine die ganze Geschichte und nicht nur, dass es ja gut ausgegangen ist.

Geplant oder als Notfall?

Wichtig ist noch, dass es für die meisten Eltern und auch für die ungeborenen Babys einen Unterschied macht, ob der Kaiserschnitt geplant war oder während der Geburt als Notfall durchgeführt werden musste.

Auf einen geplanten Kaiserschnitt können sich die Mütter zumindest mental und emotional einstellen. Sie als Eltern können sich vorher innerlich also auf das Ereignis vorbereiten.

Ein Notkaiserschnitt ist meistens mit Schrecken, Erstarrung, großer Hilflosigkeit und Angst verbunden.

Viele Mütter berichten, dass Sie die Geburt ab einem bestimmten Zeitpunkt wie in Trance erlebt haben. Der Körper und die Emotionen klinken sich dabei quasi aus, weil es sonst nicht aushaltbar wäre.

Hat ein Kaiserschnitt Risiken?

Ein Kaiserschnitt kann ohne Zweifel Leben retten.

Aber egal, ob es ein geplanter Kaiserschnitt, vielleicht sogar ein Wunschkaiserschnitt oder ein Notkaiserschnitt ist.

Der Kaiserschnitt ist und bleibt eine große Bauchoperation mit vielfältigen Folgen für Mutter und Kind, die nicht zu unterschätzen sind.

Mögliche Kaiserschnitt-Folgen für Sie als Mutter

Für Sie als Mutter gibt es natürlich zum Einen die Folgen des Kaiserschnitts. Wundschmerz, evt. Drainageschmerz, Schmerz beim Husten, beim Sitzen, evt. Wundheilungsstörungen oder Blutungen, später evt. Narbenschmerzen. Das alleine kann schon zermürbend sein.

Zum Anderen gibt es daneben noch all‘ das, was innerlich in Ihnen vorgeht.

Natürlich gibt es bei einem Notkaiserschnitt auch viel Dankbarkeit, dass der Kaiserschnitt Leben retten oder eine dramatische Geburtssituation beenden konnte.

Mütter berichten daneben aber auch oft von der Trauer, keine vaginale Geburt erlebt oder keine Wehen gefühlt zu haben. Oder vom Kummer, dass ihr Baby Ihnen nur gezeigt wurde ohne dass es eine erste Bindungserfahrung gab.

Oder davon, sich auch Wochen danach sowohl körperlich als auch emotional immer noch völlig abgeschnitten und taub zu fühlen. Manchmal sprechen Mütter erst Jahre später darüber, dass sie ihre Narbe bis heute noch nicht berühren können.

Und was bedeutet ein Kaiserschnitt für Ihr Baby?

Früher hat man geglaubt, dass die Babys während der Geburt quasi wie betäubt sind und von der Geburt nichts mitbekommen.

Heute wissen wir, dass Babys während der Geburt hochgradig wach und aufmerksam sind. Und dass die Geburt ein fein abgestimmtes, hormonell gesteuertes Zusammenspiel zwischen Mutter und Baby ist, an dem auch die Babys aktiv beteiligt sind.

Ein Kaiserschnitt hat also auch für Ihr Baby Risiken.

Was heißt das für Ihr Baby?

● Ein Kaiserschnitt wird, selbst wenn er geplant ist, meist in wenigen Minuten durchgeführt. Die plötzliche Berührung und das schnelle Herausgeholtwerden kommt für das Baby völlig überraschend und an den Babygesichtern sieht man, dass auch die Babys oft ziemlich erschrocken darüber sind.

● Ihr Baby ist während des Kaiserschnitts genauso hilflos, erschrocken und vielleicht ängstlich wie Sie auch. Ein Kaiserschnitt bedeutet für ein Baby ein hohes Maß an Stress.

● Ihr Baby ist darauf eingestellt sich in einer bestimmten Richtung durch den Geburtskanal zu bewegen. Die plötzliche Richtungsänderung kann für ein Baby verwirrend und beängstigend sein.

● Nach einem Kaiserschnitt werden die Babys meistens erstmal länger weggebracht, anstatt sie zum Bonding bei Ihnen auf die Brust zu legen.

● Wehen sind durch den Druck und die folgende Enge im Geburtskanal ein wichtiger Katalysator für verschiedene Körperfunktionen und die Atmung.

Ich habe in meine Beratungen sehr viele Babys nach einem Kaiserschnitt begleitet. Sie haben häufig eine hohe Spannung im Körper, sind oft allgemein unruhig, haben oft Probleme mit dem Schlafen und Einschlafen oder schreien übermäßig.

Das müssen nicht, können aber Reaktionen auf den Stress des Kaiserschnitts sein. Häufig sind es Zeichen des hohen Stresslevels, in dem sich Ihr Baby noch befindet.

Im nächsten Artikel bekommen Sie Tipps für den Umgang mit einem Kaiserschnitt.

Herzliche Grüße,

Christiane Christiansen

P.S.: Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Kaiserschnitt? Nutzen Sie in den Kommentaren die Gelegenheit, sich auszutauschen oder Fragen zu stellen.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.