Babyfüsschen in Tuch

Wie kann ich einen Kaiserschnitt und seine Folgen verarbeiten?

Tipps für den Umgang mit Ihrem Baby

Was Ihr Baby nach einem Kaiserschnitt und seinen Folgen mehr als alles andere braucht, ist viel Körperkontakt und das Gefühl von Sicherheit und Trost nach der stressigen Erfahrung.

● Wenn möglich, halten Sie Ihr Baby tagsüber immer wieder viel am Körper und bleiben Sie auch nachts bei ihm.

● Geben Sie ihm und sich selbst viel Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten und sich wieder entspannen zu können. Gehen Sie alles langsam an, ruhen Sie sich mit Ihrem Baby viel aus.

● Sprechen Sie mit Ihrem Baby über die Erfahrung. Trösten Sie es, erzählen Sie ihm, dass Sie seine Spannung, sein Weinen usw. verstehen können. Liebe, Geborgenheit und Bindung sind nach einem Kaiserschnitt mit das Heilsamste, was Sie für Ihr Baby tun können.

● Erklären Sie ihm, dass jetzt alles vorbei ist, dass Sie bei ihm sind, dass Sie ihm Sicherheit geben. Ihr Baby versteht die Worte nicht, aber durch Ihren Tonfall kommt die Beruhigung bei Ihrem Baby an.

So können Sie dafür sorgen, dass sich das Stresslevel Ihres Babys nach einem Kaiserschnitt langsam wieder senken kann und die Spannung nicht im Körper bleibt.

Tipps für Sie als Eltern zum Thema Kaiserschnitt und seinen Folgen

Auch für Sie als Mutter und Eltern gibt es einiges, was Sie tun können.

● Lassen Sie sich vor dem Kaiserschnitt auch die Nachteile erklären und lassen Sie sich nicht auf einen Kaiserschnitt ein, nur weil der Arzt denkt, dass es leichter oder sicherer wäre, einen Kaiserschnitt durchzuführen.

● Wenn es möglich ist, sprechen Sie oder ihr Partner vor und während des Kaiserschnitts mit Ihrem Baby. Bereiten Sie Ihr Baby auf die Erfahrung vor.

● Ebenso würde es für Ihr Baby deutlich mehr Entspannung bedeuten ist, den Kaiserschnitt langsamer durchzuführen und die natürliche Rotationsbewegung einzubauen, wenn Ihr Baby herausgeholt wird. Falls Ihnen das möglich erscheint, fragen Sie Ihre Hebamme oder Ihren Arzt danach.

● Geben Sie sich nach einem Kaiserschnitt Zeit, ihn zu verarbeiten. Sie müssen nicht sofort wieder voll bei Kräften sein. Erlauben Sie sich und Ihrem Baby soviel Erholung, wie sie beide brauchen!

Genauso wie die äußere Narbe Zeit zum Heilen braucht, brauchen Sie, Ihr Baby und oft auch Ihr Partner innerlich Zeit dafür.

● Erlauben Sie sich auch die Trauer, wenn Sie auftaucht. Keine vaginale Geburt oder keine Wehen erlebt zu haben kann emotional schmerzhaft sein. Erlauben Sie sich die Tränen, unterdrücken Sie die Traurigkeit nicht. Weinen erleichtert und kann heilsam sein.

● Sprechen Sie mit denen in Ihrem Umfeld, die offen sind und Ihnen Unterstützung geben können. Ihr Partner, eine einfühlsame Hebamme, Familie Freundinnen,…

● Wenn Sie möchten, können Sie die unterbrochene Bindung durch ein Babybondingbad nachholen. Das stärkt die Verbindung zu Ihrem Baby und kann helfen, die Erfahrung zu verarbeiten.

Viele Mütter haben sehr berührende Erfahrungen damit gemacht. Ihre Hebamme oder das Internet können Ihnen mit Adressen weiterhelfen.

Wann brauche ich Unterstützung von außen?

Kein Kaiserschnitt gleicht dem anderen und jede Mutter reagiert und fühlt unterschiedlich.

Ob der Kaiserschnitt für Sie als Mutter und Eltern ein Ereignis ist, was Ihnen noch ‚nachhängt‘ und emotionale Folgen für Sie hat, können nur Sie selbst entscheiden.

Gab es während der Geburt einfühlsame Hebammen und Ärzte, eine gute Nachsorge, Zeit für Gespräche und Verständnis von Partner und Familie? Dann sind die Chancen groß, dass der Kaiserschnitt nur kleinere innere Narben hinterlässt.

Es kann aber auch sein, dass Sie das Gefühl haben, bestimmte Situationen der Geburt immer wieder durchdenken zu müssen. Oder dass Sie danach mit Ängsten, großer Traurigkeit oder anderen tiefen Gefühlen beschäftigt sind, die immer wieder auftauchen.

In dem Fall kann es eine große Unterstützung sein, sich an eine Beratungsstelle wie die ‚Frühen Hilfen‘ Ihrer Stadt, Ihre Hebamme oder an einen Eltern-Baby-Coach zu wenden.

Die Kaiserschnitterfahrung zu verarbeiten ist in jedem Fall besser als wenn sie womöglich lange Zeit unterschwellig in Ihnen weiterarbeitet.

Ich habe viele Mütter erlebt, die in einer nächsten Schwangerschaft zur Beratung kamen, weil plötzlich lange verdrängter Kummer und Erinnerungen an die Oberfläche kamen, womit sie erstmal gar nicht gerechnet hatten.

Wunsch an die Geburtshilfe

Die Kaiserschnittrate lag in Deutschland im Jahr 2017 bei 30 Prozent. Ende der 80er Jahre lag sie noch bei 12-14 Prozent und wurde damals schon von vielen Ärzten und Hebammen als zu hoch angesehen.

Ich bin, wie ich schon schrieb, nicht grundsätzlich gegen den Kaiserschnitt. Er rettet Leben und ist im Notfall wichtig und notwendig. Aber bleibt ein Kaiserschnitt ohne Folgen für Eltern und Babys? Leider nein, weder für den Körper noch für die Seele.

Deswegen finde ich es erschreckend, dass der Kaiserschnitt heute schon fast als eine Normalität angesehen wird. Und nicht als das, was er eigentlich sein sollte: Eine lebensrettende Operation in medizinischen Notfällen.

Aber warum steigt die Kaiserschnittrate immer mehr an anstatt zu sinken? Und das in Zeiten einer immer moderner werdenden Geburtshilfe?

Zeitmangel, Angst der Ärzte vor Regressen, zu wenige Hebammen und Ungeduld sind nur einige der Gründe.

Auch die bessere Planbarkeit der Geburten auf­grund von Personalengpässen in den Geburtskliniken ist ein weiterer Grund.

Natürlich ist es ‚praktischer‘, einen Kaiserschnitttermin zeitlich genau planen zu können, als einer natürlichen Geburt die Zeit zu geben, die sie natürlicherweise braucht.

Aber geht es letztendlich darum?

Oder geht es darum, diesen zutiefst intelligenten und weisen Prozess zu unterstützen, neues Leben auf die Welt zu bringen?

Und Sie als werdende Eltern und auch Ihr ungeborenen Baby einfühlsam zu begleiten bei diesem Wunder, was sich Geburt nennt?

Auf jeden Fall wünsche ich mir viel Respekt, Verständnis, Geduld und Zeit für Sie als Eltern während des Geburtsprozesses.

Und einen Kaiserschnitt, der nur dann zum Einsatz kommt, wenn es wirklich medizinisch nötig ist.

Wenn Sie mehr zu den Risiken eines Kaiserschnitts erfahren wollen, lesen Sie hier weiter.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Kaiserschnitt?

Nutzen Sie in den Kommentaren die Gelegenheit, sich auszutauschen oder Fragen zu stellen.

Herzliche Grüße,

Christiane Christiansen

Mutter mit Kaiserschnittnarbe

Hat ein Kaiserschnitt Risiken oder ist er nur ‘halb so schlimm’?

“Ein Kaiserschnitt hat doch gar keine Risiken.”

“Sei doch froh, dass es vorbei ist.”

“Ist doch alles gut gegangen.”

“Wird schon werden, jetzt musst Du einfach nach vorne schauen.”

“So schlimm war es doch nicht, oder?”

Haben auch Sie das nach Ihrer Kaiserschnittentbindung so oder ähnlich gehört?

Solche Sätze sind sicher gut gemeint sind und entstehen oft aus Unsicherheit oder Hilflosigkeit.

Aber war es wirklich nicht so schlimm?

● Kann man die Kaiserschnitterfahrung als Mutter wirklich so schnell aus der Erinnerung löschen, wie man möchte?

● Können Sie als Eltern den Schreck mal eben so wegstecken, wenn es ein Notkaiserschnitt sein musste?

● Und wie geht man mit den Wunden und Narben um, die ein Kaiserschnitt hinterlässt? Nicht nur den äußerlichen, sondern auch den innerlichen?

Ich habe viele Mütter erlebt, die selbst Jahre später noch sagten “Eigentlich habe ich bis heute noch nicht die Zeit gehabt, dass alles zu verarbeiten.”

Oder die in der Beratung überhaupt das erste Mal ihre Geschichte erzählt haben, weil es alles so schnell ging. Und ich meine die ganze Geschichte und nicht nur, dass es ja gut ausgegangen ist.

Geplant oder als Notfall?

Wichtig ist noch, dass es für die meisten Eltern und auch für die ungeborenen Babys einen Unterschied macht, ob der Kaiserschnitt geplant war oder während der Geburt als Notfall durchgeführt werden musste.

Auf einen geplanten Kaiserschnitt können sich die Mütter zumindest mental und emotional einstellen. Sie als Eltern können sich vorher innerlich also auf das Ereignis vorbereiten.

Ein Notkaiserschnitt ist meistens mit Schrecken, Erstarrung, großer Hilflosigkeit und Angst verbunden.

Viele Mütter berichten, dass Sie die Geburt ab einem bestimmten Zeitpunkt wie in Trance erlebt haben. Der Körper und die Emotionen klinken sich dabei quasi aus, weil es sonst nicht aushaltbar wäre.

Hat ein Kaiserschnitt Risiken?

Ein Kaiserschnitt kann ohne Zweifel Leben retten.

Aber egal, ob es ein geplanter Kaiserschnitt, vielleicht sogar ein Wunschkaiserschnitt oder ein Notkaiserschnitt ist.

Der Kaiserschnitt ist und bleibt eine große Bauchoperation mit vielfältigen Folgen für Mutter und Kind, die nicht zu unterschätzen sind.

Mögliche Kaiserschnitt-Folgen für Sie als Mutter

Für Sie als Mutter gibt es natürlich zum Einen die Folgen des Kaiserschnitts. Wundschmerz, evt. Drainageschmerz, Schmerz beim Husten, beim Sitzen, evt. Wundheilungsstörungen oder Blutungen, später evt. Narbenschmerzen. Das alleine kann schon zermürbend sein.

Zum Anderen gibt es daneben noch all‘ das, was innerlich in Ihnen vorgeht.

Natürlich gibt es bei einem Notkaiserschnitt auch viel Dankbarkeit, dass der Kaiserschnitt Leben retten oder eine dramatische Geburtssituation beenden konnte.

Mütter berichten daneben aber auch oft von der Trauer, keine vaginale Geburt erlebt oder keine Wehen gefühlt zu haben. Oder vom Kummer, dass ihr Baby Ihnen nur gezeigt wurde ohne dass es eine erste Bindungserfahrung gab.

Oder davon, sich auch Wochen danach sowohl körperlich als auch emotional immer noch völlig abgeschnitten und taub zu fühlen. Manchmal sprechen Mütter erst Jahre später darüber, dass sie ihre Narbe bis heute noch nicht berühren können.

Und was bedeutet ein Kaiserschnitt für Ihr Baby?

Früher hat man geglaubt, dass die Babys während der Geburt quasi wie betäubt sind und von der Geburt nichts mitbekommen.

Heute wissen wir, dass Babys während der Geburt hochgradig wach und aufmerksam sind. Und dass die Geburt ein fein abgestimmtes, hormonell gesteuertes Zusammenspiel zwischen Mutter und Baby ist, an dem auch die Babys aktiv beteiligt sind.

Ein Kaiserschnitt hat also auch für Ihr Baby Risiken.

Was heißt das für Ihr Baby?

● Ein Kaiserschnitt wird, selbst wenn er geplant ist, meist in wenigen Minuten durchgeführt. Die plötzliche Berührung und das schnelle Herausgeholtwerden kommt für das Baby völlig überraschend und an den Babygesichtern sieht man, dass auch die Babys oft ziemlich erschrocken darüber sind.

● Ihr Baby ist während des Kaiserschnitts genauso hilflos, erschrocken und vielleicht ängstlich wie Sie auch. Ein Kaiserschnitt bedeutet für ein Baby ein hohes Maß an Stress.

● Ihr Baby ist darauf eingestellt sich in einer bestimmten Richtung durch den Geburtskanal zu bewegen. Die plötzliche Richtungsänderung kann für ein Baby verwirrend und beängstigend sein.

● Nach einem Kaiserschnitt werden die Babys meistens erstmal länger weggebracht, anstatt sie zum Bonding bei Ihnen auf die Brust zu legen.

● Wehen sind durch den Druck und die folgende Enge im Geburtskanal ein wichtiger Katalysator für verschiedene Körperfunktionen und die Atmung.

Ich habe in meine Beratungen sehr viele Babys nach einem Kaiserschnitt begleitet. Sie haben häufig eine hohe Spannung im Körper, sind oft allgemein unruhig, haben oft Probleme mit dem Schlafen und Einschlafen oder schreien übermäßig.

Das müssen nicht, können aber Reaktionen auf den Stress des Kaiserschnitts sein. Häufig sind es Zeichen des hohen Stresslevels, in dem sich Ihr Baby noch befindet.

Im nächsten Artikel bekommen Sie Tipps für den Umgang mit einem Kaiserschnitt.

Herzliche Grüße,

Christiane Christiansen

P.S.: Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Kaiserschnitt? Nutzen Sie in den Kommentaren die Gelegenheit, sich auszutauschen oder Fragen zu stellen.